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Full text of "Untersuchungen über die individuellen Standortsformen der Art Messor structor Latr. (Hym. Formicidae)."

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UNTERSUCHUNGEN UBER DIE INDIVIDUELLEN 
STANDORTSFORMEN DER ART MESSOR STRUCTOR LATR. 

(Hym. Formicidae) 



D. PAEASCHIVESCU 



Die Art Messor structor Latr. 1st eine in den Steppengegenden der 
Bumanischen Volksrepublik lebende Ameise aus der Gattung Messor 
Forel [5]. 

2fach Mayr [12]gehort diese Art zur Gattung Atta Fabr., wahrend 
Andre [1] sie in die Gattung ApJiaenogaster Mayr einreiht. Im Jahre 
1874 bildet Forel die Gattung Messor. 

Emery [3] hat die Art structor Latr. nur als Unterart des verwandten 
M. barbarus L. betrachtet und beschreibt drei Abarten : tyrrhena Emery ; 
mutica Nylander und orientalis Emery. 

Andere Autoren wie Stitz [15], Zdobnitzky [19] beschreiben die 
Art M . structor Latr. als eine Basse von M. barbarus Ij., wahrend Wheeler 
[18], Schmiedeknecht [16] und Goetsch [6] in ihren Arbeiten die Arten 
M. barbarus L. und M. structor Latr. als zwei gesonderte Arten zitieren. 

Messor structor Latr. unterscheidet sich aber morphologisch von 
M. barbarus L. durch das immer gestreifte Epino turn und durch den 
Fiihlerschaft, der mit einem Lappen versehen ist. Bei M. barbarus L. 
ist das Epinotum glatt, glanzend und der Fiihlerschaft ungelappt. Diese 
charakteristischen Zeichen haben uns bestimmt, M . structor Latr. und 
M. . barbarus L. als zwei verschiedene Arten zu betrachten. Ferner finden 
wir von Euszky [13] einen M. barbarus clivorum Buszky im Siiden der 
Sowjetunion, sowie in der Steppenregion Eumaniens angefiihrt. Diese 
Ameise ist dem M. structor Latr. durch den gut entwickelten Lappen 
des Fuhlerschaftes ahnlich, unterscheidet sich aber von ihm durch das 
Epinotum, das mit zwei Zahnen versehen ist und bei M. structor Latr. 
fehlt. 

Gelegentlich der in der Steppe von Dobrudscha im Jahre 1959durch- 
gefiihrten okologischen Untersuchungen, hat die groBe Anzahl der indivi- 



duellen Abanderungen sowolil hinsichtlich der Pigmentierung, wio auch 
der Morphologie der ISTestbewohner unsere Aufmerksamkeit erregt. 

Diese Abanderungen. lieBen die Existenz mehrerer Arten und Varie- 
taten in einem Nest vermuten und haben uns daraufhin dazu veranlaBt, 
griindlichere Studien zu unternehmen. Das hierzu notwendige Material 
dieses Studiums stammt aus zwolf Standorten der Dobrudselia u. zw. : 
Mahmudia, Tulcea, Babadag, Cogealac, Medgidia, Cobadin, Negru-Voda, 
Basarabi, Valul lui Traian, Mangalia, Cernavoda und Macin. 

Das untersuchte Material wurde im Jahre 1959 aus 50 Western 
gesammelt, u. zw. ungofahr 30 Exemplare aus jedem, d.h. zusammen 1210 
Individuen. AuBerdem kam noch hinzu die Population von drei 
Western aus Valul lui Traian, u. zw. aus einem Nest 22, aus dem zweiten 
33 und aus dem dritten 245 Individuen, somit insgesamt 1510 Individuen, 
bestehend aus Arbeiterinnen, Soldaten. 3 Mannchen und 1 Weibchen. 

Im untersuchten Material warden folgende Abanderungen vorge- 
funden : 



I. Riefel am Kopfe 

a) Langsriefelungen, ringsum die Fiihlerhohlung deutlich sichtbar 
bei Soldaten und den Arbeiterinnen. 

b) Bei Individuen mittlerer GroBe weniger deutliche Biefel. 

c) Bei kleinen Individuen glatte Kopfoberflache ohne Eiefel. 
Diese 3 Kopfanderungen waren bei den 245 Individuen des dritten 

Nestes betonter (Valul lui Traian). 



II. Behaarung 

Die Haare sind zahlreich, bedecken die Oberflache des ganzen 
Korpers und sind auf der Unterseite des Kopfes langer. Die Haarlange 
ist je nach der Korperlange bei den verschiedenen Individuen desselben 
Nestes sehr verschieden, so daB die Behaarung nicht als ein Differenzie- 
rungsmerkmal der Art betrachtet werden kann. 



III. Epinotum 

Beim Studium der Form des Epinotum warden folgende Abanderun- 
gen festgestellt : 

a) Profil des Epinotums in Winkelform (f. angulata), 47% (Bild 
l/l). 

b) Das Epinotum bildet im Profil keinen Winkel (f. subangulata), 
.59% (Bild IJ2). 

c) Zwischen diesen beiden extremen Formen warden drei Uber- 
.gangsformen gefunden (f. transitoria) (Bild I/a, b, c). 



3 STANDORTSFORMEN DER ART MESSOR STRUCTOK LATR. 229 



Forma, angulata 1st von Emery als var. mutioa Nyl., f. subangulata 
als var. typiea, und f. tyrrhena Em. als var. transitoria fur die Art M . 
struotor Latr. beschrieben worden. 



Jf, I*rofu des Epinofcums in Winkelforra '(f. angu- 
lata) (nach [3]) ; -S, Profdl de Epinotums ohne 
WInkel (f. subangiflata) (nach t31) ; aAc) inter- 
snediare, transitorische Form (forma transitoria}. 



Bild II 

a) Kopf schwarz (f. mgrifrons) : 6) Kopf sohwarz, WangerBtlich 
(f. tulvlgena) ; c) Kopf rotllch (f. lutvifronsl ; d) Thorax schwarz 
(f. niara) : e) Thorax gehwarz mit rotlieher AbtSoung (f. /aJeo)i 
/) Thorax rotlich (f, fuMor) ; g} Qlieder der Fu e aohwarz !f. oferi- 
I>s); ft) Glieder der Fufle rStlieh (f. /irfrjjws). 



IV. Pigmentiernngen 

Abanderungen der Pigmentierung warden am Kopf, Thorax und 
FiiSen beobaehtet. . . ..- 

Es sind Pigmentierungsabanderungen bei Kopf, Thorax und FiiBen 
festgestellt worden. 

1) Pigmentiernngen des Kopfes : 

a) 1 nigrifrons Kopf sehwarz (66%) (Bild II/a) ; 

b) f. fulvigena Kopf schwarz, Wangen rotlich (20%) (Bild II/6).; 
e) f. fulmfrom Kopf rotlich (14%) (Bild II/c). 

2) Pigmentierungen des Thorax: 

a) L nigra Thorax schwarz (32%) (Bild -It/d) ; 
ft) f. fulva Thorax schwarz mife rotlieher Abtonung (34%) (Bfld 
11/e); ' ; .- . 



D. PARASCHIVESCU 



c) f. fulvior - Thorax rotlich (34%) (Bild II//). 

3) Pigmentierung der Fuffe : 

a) f. nigripes Glieder der FiiBe schwarz (44%) (Bild Il/g) ; 

b) f. fulvipes Glieder der FiiBe rotlich (56%) (Bild Il/h). 

4) AuBer den untersuchten Abanderungen bemerkt man bei dieser 
Art noch folgendes : 

a) Hinsichtlich der Korperlange bei Soldaten und Arbeiterinnen 
wurden Dimensionen von 3 bis 9 mm, und nach anderen Autoren [2] 
[3], [14] von 3,58,5 mm beobachtet. 

b) Der Kopf ist etwas langlich, beinahe viereckig, mit bogenformigen 
Langsriefeln ringsum die Fiihlerhohlungen. 

c) Die Behaarung des Korpers ist reichlich und bei jedem In- 
dividuum verschieden. 

Die Art ist kornerfressend [6], [7], [16], [17], mit Western die mei- 
stens fiir die Steppenregion bezeichnend sind. Das Areal der Art ist auf 
den Umkreis des Mittelmeeres, des Schwarzen und des Kaspischen 
Meeres begrenzt. 

V. Verhaltnisse zwischen den verschiedenen individuellen Abande- 
rungen. 

Von den oben beschriebenen individuellen Abanderungen herrschen 
die dunkelfarbigen vor. Beim untersuchten Material hat man im allgemei- 
nen ein Verhaltnis zwischen Pigmentierung des Kopfes, des Thorax und 
der FiiBe beobachtet. (Bild I). Somit hatte die Mehrzahl der Individuen 
der f. subangulata mit schwarzem Kopf f. nigrifrons einen sehwarzen 
Thorax (f. nigra). Bei f . fulvigena und f. fulvifrons beobachtet man rotliche 
Pigmentierung des Thorax f. fulva und fulvior. 

Bei f. nigrifrons und der f. nigra mit schwarzem Thorax sind die 
FiiBe meistens schwarz f. nigripes. Ebenso schwarz pigmentiert sind die 
FiiBe auch bei den thorazischen Formen f. fulva und fulvior. Bei den 
fulvigena und fulvifrons mit schwarzem Thorax herrscht die f. nigripes 
und bei den f . fulva und fulvior des Thorax die gelbe Farbe vor. Dasselbe 
Verhaltnis zeigt sich bei den f-. angulata. 

Verfolgt man die verschiedenen individuellen Abanderungen der 
Pigmentierung an den untersuchten Standorten, wird festgestellt, daB die 
dunkel gefarbten Exemplare eher in den Western der Nord- (Macin, Tulcea) 
als in der Siiddobrudscha (Negru-Voda, Cobadin) vorherrschen. 



SCHLUSSFOLGERUNG 

1) Von den Arten der Gattung Messor hat man in der Steppe der 
Dobrudscha nur M. struetor Latr. gefunden. 

2) Die von Emery benannten var. mutica STyl., var. tyrrliena Em. r 
var. orientalis Em. konnen u.E. nicht als Varietaten im systematiscJien 
Sinne sondern nur als Abanderungen derselben Art (als nicht erbliche 
Standortsformen, Modifikationen) betrachtet werden. 



5 STANDORTSFORMEN DER ART MESSOR STRUCTOR LATR. 231 



3) Es wurden individuelle Abanderungen (Standortsformen) der 
Pigmentation und der Epinotumwinkel an alien Individuen der Art 
Messor strwtor Latr. desselben Nestes vorgefunden. 

4) Zwischen den Pigmentierungen des Kopfes, des Thorax und der 
FiiBe besteht im allgemeinen eine Wechselbeziehung. 

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